Wie war das? Ein sicherer Stand und schnelle Techniken sind die Stärken eines Karateka? Und hohe Tritte bringen schnellen Erfolg? Was um alles in der Welt mache ich dann hier im Wasser, wo es keinen Stand gibt, alle Techniken langsam werden und ich die Füße zum Strampeln brauche, damit ich noch Luft bekomme? Heero Miketta gibt den Bericht eines Karateka, der ins Wasser gefallen ist.
Natürlich trainieren wir schon lange nicht mehr im „klassischen Shotokan-Stil“ – die Grenzen eines solchen wettkampforientierten Kampfsports waren uns schon vor 15 Jahren zu eng. Damals gab es die ersten Kontakte zur Polizei Bonn. Als dieses Städtchen noch Regierungssitz war, sammelten sich dort Kampfkunstlehrer und Experten der verschiedensten Richtungen – eine spannende Melange.
Damals habe ich auch Detlef Kröschel kennengelernt – Personenschutzausbilder beim Bundeskriminalamt, der bei der Frage nach seiner Kampfkunst stets grinsend „Handball“ antwortete und dabei gerne viele Jahre Kampferfahrung unter anderem vom Shoot Fighting verschwieg.
Heute sind wir beide Mitglieder des „ShoShin Projekts“,
in dem sich Kampfkünstler sehr verschiedener Richtungen
sammeln, um sich auszutauschen und immer neue Ideen
zu entwickeln. „Kämpfen im Wasser“ ist eines unserer
Steckenpferde. Wir basteln schon lange daran und
entdecken permanent neue Facetten.
Über Wasser bleiben.
Die wichtigste Erfahrung bei Auseinandersetzungen im Wasser: Man sollte schwimmen können. Es hilft einem allerdings nichts. Untergehen wird man sowieso.
Viele der mühsam antrainierten Methoden und Strategien, die an Land fabelhaft funktionieren, sind im Wasser plötzlich sinnlos. Schnelle Techniken gegen Wasserdruck? Nix da. Fester Stand? Pustekuchen. Mit Begeisterung in den Bodenkampf übergehen? Unmöglich. Es fehlt am Boden.
Aber es fehlt nicht nur daran. Es fehlt auch an Übersicht. Und noch schlimmer: Es fehlt an Sauerstoff. Lästige Störfaktoren, an die man sich zunächst einmal gewöhnen muss.
Erster Teil des Seminars ist deswegen der Umgang mit dem nassen Element – das ist schweißtreibend und konditionsfördernd. Gleichgewichts- und Schwimmübungen stehen auf dem Programm. Erst danach widmen wir uns den ersten echten kämpferischen Übungen: Dem Über-Wasser-bleiben.
In einfachen Rangel- und Kampfübungen testen wir aus, was es braucht, um selbst nicht unterzugehen – und dem anderen die Luft zu rauben. Hier fällt schnell auf: Grappler und Ringer werden sich freuen. Greifen und Packen geht vor Schlagen und Treten – und weil der Boden fehlt, spielt die Fähigkeit, sich auf den Gegner einzustellen und seine Bewegungen zu spüren und zu nutzen, eine extrem wichtige Rolle.
Ebenso wichtig: Wasser ist selbst eine Waffe. Wenn wir uns schon darin bewegen dürfen, sollten wir es auch nutzen. Schnell wird dem Übenden klar: Jemanden unter die Wasseroberfläche zu drücken, ist relativ leicht. Ihn untenzuhalten, ist dagegen ziemlich schwierig. Erst untertunken, dann hochkommen lassen und den noch Irritierten beim Auftauchen bearbeiten, ist eine der lustigsten Strategien des Seminars. Zumindest für den Tunker.
Nachgeben. Wasser hat drei Dimensionen.
Allerdings hat Wasser DREI Dimensionen. Wer untergetaucht wird und schnell nach oben will, hat es schwer. Wer abtaucht und den Tunkenden mit hinunternimmt, verändert die Situation erheblich.
Um das zu können, braucht man Sicherheit im Umgang mit Wasser – und einen soliden Umgang mit der Angst vor dem Ertrinken. Untertauchübungen sind wichtiger Bestandteil des Seminars. Wer das nicht aushält, sollte zuhause bleiben. Schon wieder ein Vorteil für die Grappler: Die haben in ihrem Sport ja öfter Situationen, in denen ihnen die Luft wegbleibt.
Wasser ist Bodenkampf plus dritte Dimension. Befreiungstechniken stehen auf dem Programm. Und je fieser die Gemeinheit ist, die man dem anderen unter der Wasseroberläche zufügt, um so besser funktioniert es.
Kämpfen ohne Boden.
Erst gegen Ende des Seminars verlassen wir den Boden komplett und bewegen uns in größere Wassertiefen. Jetzt kommt zu allem anderen die Notwendigkeit, sich generell erst einmal über Wasser zu halten. Auf Dauer ziemlich kräfteraubend – Grund genug, das erste Seminar auf drei Stunden zu beschränken.
Schon bald soll es weitergehen. Wer mehr Informationen erhalten möchte, kann jetzt schon eine Email an uns schreiben. Wir führen eine Teilnehmerliste.