Der SPIEGEL und die Kampfkunst
 
Ein seltsamer Artikel im SPIEGEL vom 14. November 2005 veranlasste das ShoShin-Team zu einem Leserbrief. Formuliert wurde er von Sonja Larisch, ShoShin-Trainerin und angehende Psychologin.
 
Legen Kinder, die Kampfsport ausüben, tatsächlich ein fünfmal schlechteres Sozialverhalten an den Tag?
 
Ob Kampfsport aggressivitätsfördernd wirkt, oder ob den Kindern hier ein Weg gewiesen wird, ihre Aggressionen zu kanalisieren, kann wohl nicht pauschal beantwortet werden. Hier kommen unterschiedliche psychologische Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Es hängt wohl eher von der pädagogischen Kompetenz des Trainers, als vom Kampfsport allgemein ab, welche Wirkung das Training erzielt. Fakt ist, dass es sich bei den meisten Kampfsportarten um Kampfkünste handelt, die sehr wohl mit einer friedlichen Ideologie verknüpft sind. Gerade wenn man sich kämpferisch mit seinem Partner auseinandersetzt, ist ein rücksichtsvoller Umgang miteinander unabdingbar.
 
Aggression ist ein starkes menschliches Motiv und gehört zur Natur des Menschen. Es ist ratsam, die Kinder an dieses Thema heranzuführen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich vernünftig damit auseinander zu setzen, anstatt es wegzurationalisieren. Idealerweise berücksichtigt ein Kampfkunsttraining hierbei nicht nur körperliche Auseinandersetzungen, sondern auch verbale und gewaltpräventive Aspekte. Die erfolgreiche Auseinandersetzung mit diesem Thema wie auch mit den zugehörigen Bewegungsaufgaben vermittelt den Kindern ein Gefühl der Handlungskompetenz, dass sie resistenter gegen Frustrationen und Provokationen macht.
 
Eltern sollten den Kampfsport nicht vorschnell verurteilen, sondern sich lieber über die pädagogischen Fähigkeiten des Trainers informieren.
 
Sonja Larisch, Psychologiestudentin und Trainerin des ShoShin-Projekts
 
Der Text des SPIEGEL-Artikels:
 
SPIEGEL-Artikel:
Ausbildung zum Macho
 
Kampfsport steigert bei Jugendlichen die Aggressivität. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität im norwegischen Bergen. Psychologin Inger Endresen und ihr Team beobachteten dazu 500 Jungs zwischen 11 und 13 Jahren, die mit Sportarten wie Boxen, Ringen oder Karate begonnen hatten. Die Jungs waren streitlustiger als ihre Schulkameraden, stahlen häufiger und schwänzten öfter. Insgesamt errechnete Endresen ein fünfmal schlechteres Sozialverhalten als bei Gleichaltrigen, die Fußball spielten oder anderen Bewegungssport ausübten. Dass Kampfsport eine Anziehungskraft auf Rowdys ausübt, kann nicht alleiniger Grund sein: Die Forscher vergleichen das Verhalten der Jungs, bevor sie das Training aufnahmen, mit ihrem späteren - die Aggressivität nahm zu. Verantwortlich dafür macht das Team die mit dem Image dieser Sportarten verbundenen Macho-Attitüden.
 
 
Unser Kommentar siehe oben. :-)
Dezember 2005